Pressemeldungen

 

20.08.2008
SZ Sächsische Zeitung

 

Auf dem Loenschen Gut geht es schrittweise voran
Ingo Kramer

Eines haben sich Stephan Hanser und seine Mitstreiter fest vorgenommen. "Wir setzen uns nicht unter Zeitdruck", sagt der 28-Jährige, der das Loensche Gut an der Biesnitzer Kastanienallee 23 in Görlitz gemeinsam mit drei anderen jungen Leuten im Jahr 2006 erworben hat. Dazu gehört für das Quartett vor allem eines: Sie wollen keine Bau- und Eröffnungstermine nennen, die am Ende vielleicht sowieso nicht einzuhalten sind. Stattdessen sanieren sie den herrlich gelegenen Vierseitenhof im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach und nach.

Blick bis ins Isergebirge

Davon ist zwei Jahre nach dem Kauf schon einiges zu sehen. Losgelegt haben die vier zunächst im mehr als 30 Meter hohen Turm des einstigen Herrenhauses. Dessen Aussichtsplattform war einst absturzgefährdet und ist inzwischen wieder fast komplett hergestellt. Dazu haben die neuen Besitzer, die allesamt zwischen 27 und 33 Jahre jung sind, die noch intakten Balken erhalten und den Rest so ersetzt, dass der Betrachter auf den ersten Blick gar nicht sieht, was alt ist und was neu. Fußboden und Geländer mussten größtenteils getauscht werden.

Der traumhafte Blick von oben reicht bis zum Riesengebirge. "Zum Tag des offenen Denkmals am 14. September dürfen alle Besucher hoch", sagt Stephan Hanser.

200-jährige Buche im Park

Im Herrenhaus selbst lässt sich noch gut erahnen, in welchem Reichtum die Familie von Loen einst lebte. Riesige Zimmer mit Holz- und Stuckdecken, Parkettböden, holzgetäfelten Wänden und zwei großen Außenterrassen hin zum Park mit der 200-jährigen Buche sind noch erhalten und warten auf eine Sanierung. "Im Saal gab es inzwischen schon zwei Feiern: einen 40. Geburtstag und eine Goldene Hochzeit", sagt Stephan Hanser. Dafür musste allerdings einiges improvisiert und eine spartanische Toilette angelegt werden. Eine Komplettsanierung des Herrenhauses steht erst einmal nicht an.

Stattdessen geht es im Nachbargebäude voran. Es besteht aus einem früheren Wohnhaus und einem riesigen Gewölberaum, der noch bis 2006 als Obstlager genutzt wurde. In seinem Obergeschoss befand sich einst eine enorme Hopfendörre zur Trocknung von Hopfen und Kümmel. Beide Gebäudeteile haben inzwischen neue Dächer erhalten. Demnächst sollen auch die Dachgauben fertiggestellt werden.

Vor zwei Wochen erhielt das Wohnhaus seinen Unterputz. Jetzt muss er trocknen, dann folgt der Oberputz. Anschließend wird die Fassade in einem Sandton angestrichen. Für das Winterhalbjahr ist der Innenausbau anvisiert.

Pension und Gaststätte

Geplant sind in den beiden Gebäudeteilen zuerst eine Pension und später auch eine Gaststätte mit straßenseitigem Biergarten sowie eine Betreiberwohnung. Nach und nach soll alles fertig werden. "Die Pension wird mit sieben Zimmern starten und später wachsen", sagt Stephan Hanser. Gute Mittelklasse soll sie haben, gemütlich und schön sein, aber auch bezahlbar und nicht zu nobel. Die Gaststätte bekommt riesige Fenster zum Innenhof, allerdings keine zur Straße. "Die Gäste sollen in Ruhe sitzen und ins Grüne blicken", sagt er. Grün ist der fast quadratische Hof tatsächlich. Den einstigen Springbrunnen haben die jungen Leute freigelegt und provisorisch in Betrieb genommen. Ringsum haben die Frauen farblich gegliederte Blumenrabatten angelegt. Eine uralte Magnolie steht direkt neben dem Brunnen und ist im Frühling mit ihren weiß-rosa Blüten ein Blickfang. "Der Baum bleibt auf jeden Fall stehen", sagt Stephan Hanser.

Zurück in die Heimat

Der aus Jauernick stammende Mitbesitzer lebt im Moment nicht in der Region. Tatsächlich ist von dem Quartett nur eine junge Frau in Görlitz. Ihre Schwester und die Freunde der zwei Frauen verdienen ihr Geld in Berlin und Frankfurt am Main. Sie kommen zurück in die Heimat, wenn die Gaststätte fertig ist. Dann wollen die beiden Paare auch im Loenschen Gut leben. Wann es soweit ist und ob das Herrenhaus irgendwann einmal zum Hotel wird oder nicht, lassen die vier derzeit noch offen. "Der Bebauungsplan ist erstellt und liegt demnächst aus", sagt Stephan Hanser.

Für die Besucher spannender ist freilich das, was schon da ist. Das wollen die Besitzer zum Denkmaltag am 14. September, von 10 bis 17Uhr, zeigen. Und den Gästen erklären, dass alles seine Zeit braucht.
 

Der Turm am einstigen Herrenhaus (rechts) ist saniert und kann am 14. September zum Tag des offenen Denkmals erklommen werden. Derzeit sind die Eigentümer damit beschäftigt, das einstige Wohnhaus (links) zur Pension mit Gaststätte auszubauen.

 


19.08.2008
SZ Sächsische Zeitung

 

Aus der Geschichte des Loenschen Gutes

Das Gut fand bereits im Mittelalter Erwähnung. Als Rittergut "Oberhof" gehörte es einst Ramfold von Gersdorf und wurde 1345 von der Stadt Görlitz erworben. 1408 war Hans von Radeberg Besitzer.

1856 legte einer der reichsten Männer der Umgebung von Görlitz, August von Loen, den Grundstein für das Wohnhaus.

1861 erfolgte der Ausbau zum schlossartigen Herrenhaus, das 1896 im Wesentlichen die heutige Form erhielt.

Während des Ersten Weltkrieges geriet die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1933 verkaufte sie das Gut nebst landwirtschaftlichem Gelände zur Gründung eines Stadtgutes an die Stadt Görlitz.

Nach 1933 betrieb die Stadt im ehemaligen Herrenhaus zunächst eine Haushaltungsschule. Danach wurde es von SA und NSDAP genutzt. Nach 1945 wurde es Auffanglager für Flüchtlinge, Kinderheim und, von 1946 bis 1951, Jugendherberge.

Ab den 1960er Jahren wurde die Berufsschule und ein Lehrlingswohnheim des VEG Obstproduktion Kunnerwitz im einstigen Herrenhaus untergebracht.

Seit 1991 steht das denkmalgeschützte Herrenhaus leer, 2006 kauften vier junge Görlitzer das Gut.

 


26.07.2007
SZ Sächsische Zeitung

Kurzer Blick in die Geschichte des Loenschen Gutes

1864 entsteht südlich des Biesnitzer Ortskerns für die Land- und Forstbesitzungen eine Gutsanlage, die sich um einen annähernd quadratischen Hof gruppiert.

1896 erwirbt August von Loen das Grundstück und lässt sich vom Architekten Hans Grisebach (1848-1904) ein Herrenhaus bauen.

1933 wird die Stadt Görlitz Eigentümer der Anlage. Nach 1945 wird das Gut vom VEB Obstproduktion als Lehrlingswohnheim und Wirtschaftsgebäude genutzt.

2006 erwerben vier junge Görlitzer das Grundstück gemeinschaftlich.

 

 

 


11.07.2007
SZ Sächsische Zeitung

In Biesnitz haben Park und Gut eine bewegte Geschichte
Erich Feuerriegel

Zwischen den beiden Görlitzer Stadtteilen Biesnitz und Weinhübel liegt oberhalb des Anstieges der Weinhübler Straße das Loensche Gut. Es handelt sich um einen Vierseithof mit einem Turm am früheren Herrenhaus. Dieses Gut fand bereits im Mittelalter Erwähnung.

Als Rittergut "Oberhof" gehörte es einst Ramfold von Gersdorf und wurde 1345 von der Stadt Görlitz erworben. 1408 war dann Hans von Radeberg der Besitzer. 1888 kam es in Besitz der Familie von Loen. 1856 legte einer der reichsten Männer der Umgebung von Görlitz, Gründer des Bundes der Landwirte und Mitbegründer der "Deutschen Tageszeitung", Major a.D. August von Loen den Grundstein für das Wohnhaus. 1861 erfolgte der Ausbau zu dem schlossartigem Herrenhaus, welches 1896 im Wesentlichen die heutige Form erhielt.

Der Besitz an Grund und Boden der Familie von Loen reichte ursprünglich bis fast an die Gartenanlagen in der Pomologischen Gartenanlage heran. Bestandteil desselben war die nordöstlich des gleichnamigen Gutes gelegene, als Loenscher Park bekannte gestaltete Landschaft. Diese erhielt ihren heutigen Charakter vorwiegend durch seine Nutzung. Hier bieten noch heute Feuchtwiesen, Laubwald an den Hängen, aufgelassene kleine Steinbrüche, Trockenrasen, Hohlwege, alte Alleen, Bäche und ruhende Wasserflächen vielfältigen Tierarten einen Lebensraum und machen den Aufenthalt für die Nutzer des Parkes zu einem Naturerlebnis. Letzter Besitzer des Grund und Bodens war Rittmeister Hermann Freiherr von Loen. Während des Ersten Weltkrieges geriet die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten und versuchte 1931 den stark überschuldeten Grundbesitz durch die Einrichtung der Fuchsfarm lebensfähig zu erhalten, was jedoch nicht dauerhaft gelang. 1933 bot Freiherr von Loen daraufhin der Stadt den verbliebenen Grundbesitz zum Kauf an. Am 25.11. gleichen Jahres beschloss der Magistrat von Görlitz den Kauf des Gutes nebst landwirtschaftlichem Gelände und des dazu gehörigen toten und lebenden Inventars zur Gründung eines Stadtgutes. Gleichzeitig begannen Verhandlungen zur Eingemeindung von Groß- und Klein-Biesnitz, die aber erst 1952 erfolgte.

Die Stadt ließ den Fußweg von Biesnitz nach Weinhübel im Tal des Feldmühlbaches befestigen und ermöglichte damit vielen Bürgern, sich das reizvolle Stück Landschaft des Loenschen Parkes zu erschließen. Auf diesem Wege verläuft heute ein kleines Stück des Fernwanderweges von Görlitz nach Aachen.

Im ehemaligen Herrenhaus des Gutes betrieb die Stadt zunächst eine Haushaltungsschule. Danach wurde es durch SA und NSDAP genutzt. 1938 wurde auf dem Grund der heutigen Gartenanlage schräg gegenüber ein Barackenlager des Reichsarbeitsdienstes errichtet. Nach Kriegsende wurde es Auffanglager für Flüchtlinge, Kinderheim, 1946 bis 1951 Jugendherberge.

In den 1960er Jahren wurde die Berufsschule und ein Lehrlingswohnheim des VEG Obstproduktion Kunnerwitz untergebracht, welche 1973 nach Reichenbach in das Gebäude der ehemaligen EOS "Theodor Körner" umzogen. Nachdem das unter Denkmalschutz stehende Herrenhaus lange Zeit leer stand, kauften es 2006 junge Leute, die sich nun bemühen, es einer neuen Nutzung zuzuführen.

 

 


02.09.2006
SZ Sächsische Zeitung

Ein Haus voller Drachen
Peter Chemnitz

Überall sind Drachen. Am schmiedeeisernen Geländer, an der Stuck verzierten Decke sogar der Türhalter kommt in Gestalt eines dieser Fabelwesen daher. Die Familie von Loen hatte offenbar ein Faible für die Echsen. 1856 legte August von Loen in Biesnitz den Grundstein für ein Wohnhaus, welches nur fünf Jahre später zu einem schlossartigen Herrenhaus ausgebaut wurde. Seine heutige Fassung erhielt das Gebäude im wesentlichen 1896.

Für die Familie von Loen stand der Erwerb der bereits im Mittelalter erwähnten Gutsanlage unter keinem guten Stern. Bereits während des Ersten Weltkrieges geriet sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1933 wurde das Gut schließlich an die Stadt Görlitz verkauft, die es erst als Haushaltungsschule nutzte und schließlich der SA und der NSDAP überließ. Nach dem Krieg diente das Herrenhaus als Auffanglager für Flüchtlinge, Kinderheim und bis 1951 als Jugendherberge "Kurt Prenzel". Schließlich wurde das Gut vom Volkseigenen Gut Kunnerwitz als Lehrlingswohnheim genutzt. Seit 1991 steht die Anlage leer. Die eingelagerten Möbel wurden gestohlen, ein Teil der Inneneinrichtung geplündert. Ein Kamin wurde von Unbekannten nahezu komplett abgetragen. Lediglich Fotos erinnern an seine einstige Pracht. Dietmar Ridder, Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Görlitz, deutet aber auch auf herausgebrochene Teile der Wandvertäfelung. Gut erhalten haben sich dagegen die Stuckdecken mit den Darstellungen von Pflanzen und Vögeln. Sogar einzelne Teile Blattgold sind noch zu erkennen.

Vier junge Ex-Görlitzer wollen dem Loenschen Gut neues Leben einhauchen. Sie haben die stark verfallenen Gebäude erworben und wollen sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren sanieren und dann der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das vor den vier Frauen und Männern liegende Arbeitspensum ist gewaltig. Teilweise müssen die Deckenbalken ausgewechselt werden. Auch eine Seite der in 19 Meter Höhe angebrachten Plattform des Turmes ist einsturzgefährdet. Der Blick über Weinhübel ist aber einzigartig. "Von hier oben kann kam die Lausche, den Jeschken und mit etwas Glück auch die Schneekoppe sehen", sagt Ridder. Und man hat einen Blick über die große, alte Parkanlage mit seinem prächtigen Baumbestand - darunter eine 200 Jahre alte Blutbuche - sowie den geschlossenen Hof mit seinem Brunnen.

Das Gut an der Kastanienallee 23 kann am Tag des Offenen Denkmals von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden. Anfahrt: Von der Südstadt kommend zweigt die Kastanienallee links von der Promenadenstraße (Verlängerung der Biesnitzer Straße) ab.

 

 

 
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